Montessori in der Praxis

21.06.10 / Fachseminare, Montessori / Author: cw

Eine Nachmittagsbetreuung kann durch viele unterschiedliche Schwerpunkte gestaltet werden. Es gibt die Möglichkeit sich rein auf Hausübungen und schulische Erfolge zu versteifen, oder auch das Gegenteil, die Kinder nur zu beaufsichtigen und die schulischen Belange in den Aufgabenbereich der Eltern zu stellen.

Die erste Variante ist vom Aspekt der Einrichtung gesehen sehr angenehm, da nur Tische zum Arbeiten benötigt werden.

Für die zweite Möglichkeit ist es genau so leicht Platz zu finden, da sich die Kinder selbst beschäftigen und mit der vorgegebenen Situation zurechtfinden müssen.

Mein Konzept beinhaltet von beiden Varianten etwas:

In kurzen Worten zusammen gefasst bedeutet ein Hort für mich, den Kindern in der Gruppe eine ganzheitliche Entwicklung zu ermöglichen.

Die Kinder sollen Zeit, Platz und Hilfe für ihre Hausaufgaben bekommen und ebenso Material und Platz für die differenziertesten Aktivitäten und Spiele, welche sie fordern und fördern.

Im Detail beschrieben bedeutet dies, dass Kinder, welche in einer Institution (freiwillig oder benötigt, gerne oder auch widerwillig) zusammen sind, Platz für die verschiedensten Bereiche benötigen.

Wie in der kurzen Beschreibung erwähnt sollen die Kinder Zeit und Platz für ihre Hausaufgaben haben. Dies bedeutet, dass ein Arbeitsplatz zur Verfügung stehen sollte, welcher gut überschaubar und ebenso gut ausgeleuchtet ist. Im idealsten Fall hat jedes Kind einen eigenen Arbeitsplatz für dessen Ordnung und Gestaltung es auch selbst zuständig ist und welcher ihm zeigt: „Das ist mein Platz“ „Ich bin ein Teil vom Ganzen“.

Falls für diese Möglichkeit zu wenig Platz oder Mobiliar vorhanden ist, kann man den Kindern die Arbeitsplätze auch so zur Verfügung stellen, dass sich mehrere Kinder, welche nie am gleichen Tag oder nie zur gleichen Zeit anwesend sind sich einen fixen Platz teilen.

Hand in Hand mit dem Lernen bei Hausübungen geht bei Kindern das Lernen im Spiel. Dadurch sind Bereiche für die unterschiedlichen Spielmöglichkeiten von großer Wichtigkeit bei der Betreuung und Förderung von Kindern.

Ein einladend gestalteter Ruhe- / Lesebereich in dem man sich zum Rasten oder Entspannen gerne zurückzieht motiviert auch zum Anschauen und Lesen von Büchern, wenn diese zur Verfügung stehen, als Eyecatcher aufgestellt sind und regelmäßig durch neue dem Können entsprechende Exemplare ersetzt werden.

Da dieser Bereich der Bezeichnung nach nicht mitten im Gruppengeschehen liegen soll, bietet er den Kindern auch die Möglichkeit sich alleine oder in Kleingruppen zu beschäftigen.

Ebenso förderlich ist ein Kreativbereich, der einfach zu gestalten ist. Ein Tisch mit Bastel- und Zeichenmaterial, welches immer motivierend bereitliegt, kann ohne Zwang die Feinmotorik verbessern.

Dadurch werden auch bei der Stifthaltung, Strichführung und damit verbunden dem Schriftbild spielerisch und unbewusst Verbesserungen erzielt.

Das Malen eines Bildes, das Herstellen einer Bastelarbeit, die Arbeit mit den verschiedensten Materialien all dies sind komplexe Aufgaben, die der Sanierung einer Straße oder dem Abhalten einer Feuerwehrübung sehr nahe stehen und fast gleichzusetzen sind.

Am Anfang steht der Gedanke – „Ich will etwas machen“

danach kommt die Herausforderung – wie soll es werden, was benötige ich, wer könnte mir

helfen, wo finde ich alles, was wird mir hinderlich sein, wann soll es fertig sein, wielange habe ich Zeit,…

auf jede Herausforderung  folgt die Planung und Lösung

danach die Durchführung und eventuell noch Verbesserungen

und am Schluss das Wichtigste das Erfolgserlebnis!

Durch die freiwilligen, im Spiel erlernten Erfahrungen, die ein Kind dann macht, wenn es diese am Besten verarbeiten und verinnerlichen kann, wird es auch in der Schule und im späteren Beruf Abläufe verstehen und durchführen können.

Eine  weitere  Lebenserfahrung  machen  Kinder  bei  einfachen  Tisch- und Regelspielen  a la Mensch Ärgere Dich Nicht,  Schwarzer Peter, Mikado und Co.

Der wichtigste Punkt bei dieser Art von Spielen ist, dass man sie nicht alleine spielen kann. Und wo mehrere Personen miteinander spielen wird das Sozialverhalten gelernt, trainiert und von den Anderen auch beurteilt oder durch Feedback rückgemeldet.

Ein weiterer Punkt ist, dass man für viele Spiele „Vorkenntnisse“ haben muss. : Will ich mit einem Würfel spielen, muss ich zählen können, versuche ich bei Mikado mein Glück benötige ich eine ruhige Hand (Feinmotorik) einen kühlen Kopf (Konzentration) und einen genauen Plan (wie beim Kreativen Bereich beschrieben). Auch das Spiel `Schwarzer Peter´ versteckt unglaubliche Förderungen für uns: Das Wichtigste ist das Bluffen (das Beherrschen der Gefühle und der damit verbundenen Mimik und Gestik) dann sollte ich auch die Paare erkennen (visuelle Differenzierung und Zuordnung) und zu guter Letzt sollte ich die Karten auch halten und verbergen können (dies ermöglicht uns wieder die Feinmotorik).

Um diese Erfahrungen zu machen und jederzeit nach der inneren Motivation zu trainieren, benötigt der Bereich Regale um die Spiele auffordernd aufzustellen und freie Tische um sie auch spielen zu können.

Das Gegenstück zu den Regel- und Tischspielen bietet ein Boden- und Konstruktionsspiel Bereich. Er sollte von der Platzierung etwa wie der Lesebereich gehalten werden um ihn auch als Rückzugsmöglichkeit und für Kleingruppen nutzen zu können. Die Ausstattung ist sehr einfach. Ein fester glatter Teppich der Schutz vor dem kühlen Boden bietet, und auch das Bauen mit einfachem Material erlaubt. Wird er ein wenig eingegrenzt können Bauwerke stehen bleiben ohne im Weg zu sein oder aus Versehen niedergerannt zu werden.

Der letzte und für Kinder wichtigste Bereich ist der für Bewegung!

Ein eigener Raum, der keine Gefahrenquellen für Verletzungen oder Beschädigungen bietet und vom Gruppenraum einsehbar ist, wäre die beste Variante.

Da die Kinder einen solchen Raum jederzeit auch alleine nutzen könnten.

Um diese Bereiche auch zielführend zu nutzen sollte sich eine Pädagogin nicht nur auf die Freiwilligkeit der Kinder und deren innere Motivation verlassen, sondern auch Planungen erstellen und diese reflektieren.

Mit einer groben Jahresplanung wird begonnen. Diese umfasst den Jahreskreis und erläutert welche Thematiken zu diesem erarbeitet werden und auch ob und mit welchem Höhepunkt man diese abschließt.

Danach kommt die differenziertere Planung in der die Thematik mit ihren Aktivitäten genau erklärt und festgehalten wird und eben so welche Förderungen und Ziele verfolgt werden. Diese Planungen werden auch reflektiert um Reaktionen der Kinder und eventuelle Veränderungen zu erfassen.

Um diese Vorhaben im richtigen Maß neben den Hausaufgaben auch durchführen zu können, ohne die Kinder zu überfordern gehört auch eine Tagesplanung erstellt. In dieser wird festgelegt zu welchen Zeiten Hausübung, Freispiel, Essen und Aktivitäten stattfinden.

Eine der wichtigsten Reflexionsarbeiten einer Pädagogin ist die Kindbeobachtung in der zu jedem Kind Auffälligkeit, Fortschritt, Rückschritt und auch die Maßnahmen zur individuellen und persönlichen Förderung notiert werden.

Laut Gesetz ist die Pädagogin im Hort verpflichtet zwei Elternabende im Jahr zu halten, bei denen sie den interessierten Eltern ihre Arbeit vorstellt und ihre Pläne erklärt. Auch können anstelle dessen oder ergänzend Fachvortragende zur Thematik Kinderbetreuung –förderung„-erziehung“ … eingeladen werden.

Jetzt kann es endlich losgehen, wir wissen wie es nachhaltig funktioniert!

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